Vom kopierten Raub in der Presse
Wednesday, May 30th, 2007Seit einiger Zeit interessiere ich mich für den Entstehungskontext und die Bedeutungsverschiebung des - inzwischen - geläufigen Begriffs “Raubkopie”. Wikipedia sagt dazu Folgendes.
Der Begriff wurde vor allem von Lobbys der Musikindustrie und Filmindustrie geprägt (zum Beispiel in der Kampagne „Raubkopierer sind Verbrecher“), um dadurch eine Abschreckung des Kopierens urheberrechtlich geschützter Werke zu bewirken. Durch die fortschreitende Technik der durch File Sharing realisierten Tauschbörsen gewann der Begriff und das damit zusammenhängende Thema in den letzten Jahren an Bedeutung.
Ein rascher Blick ins LexisNexis zeigt, dass der eigentlich absolut unsinnige Begriff “Raubkopie” in der deutschsprachigen Presse bereits um 1991 herum aufgetaucht ist, und zwar im Zusammenhang mit gewerbsmäßig betriebener, illegaler Softwarevervielfältigung in quasi-industriellem Umfang in Deutschland, vor allem aber in Staaten wie China und Brasilien. Die Anzahl der Nennungen des Begriffs “Raubkopie” bleibt einige Jahre nach dem Auftreten gering, häuft sich um die Jahrtausendwende.
“Raubkopie” stand also ursprünglich, laut Definition von Verbänden wie Business Software Alliance, für eine gewerbsmäßig angefertigte und in irreführender Absicht als Original zum Verkauf angebotene Kopie einer Software. Heute taucht das Wort “Raubkopie”, wie wir alle wissen, vor allem auf, wenn es um die von der Rechteverwerteindustrie beklagte Verbreitung von Musik- und Videodateien in P2P-Netzwerken geht.
Was jetzt sehr interessant wäre - man könnte erstmal mehr oder weniger quantitativ gucken, wie sich die Häufigkeit (und die Bedeutung) des Begriffs “Raubkopie” und ähnlicher Begriffe wie “Raubkopierer” in der Presse in den letzten 16 Jahren entwickelt hat; welche Zäsuren der technischen Entwicklung (CD-Brenner, DSL…) bzw. der preismäßigen “Demokratisierung” für die steigende Anzahl der Nennungen von Belang sein könnten; für die Zeit nach 2000 könnte man auch die Frage stellen, ob die Presse zur “strategischen Kommunikation” der Lobby beiträgt und die Problematik des gerechten Ausgleichs der Verwerter- und Verbraucherinteressen ausblendet… Die “Anti-Piraterie-Kampagnen” der Rechteverwerter könnte man sich auch anschauen.
Ich frage mich jetzt, ob es irgendeine Software gibt, die selbständig LexisNexis bemüht und dann schöne Grafiken ausspuckt
